08. März 2020 - 21. Juni 2020

Niina Lehtonen Braun

Die aus Helsinki gebürtige und in Berlin beheimatete Künstlerin Niina Lehtonen Braun (Jahrgang 1975) eröffnete das Galerieprogramm der Galerie Mellies in Detmold mit Bildern aus ihrer Serie „Mädchen lass los“ sowie weiteren Bildern.

Zum ersten Mal über ihr Heimatland Finnland hinaus international in Erscheinung getreten ist Lehtonen Braun zu Beginn der Nuller Jahre in diversen Perfomances, Gruppenaustellungen und Solo-Shows innerhalb Europas (z.B. in Zürich, Wien, Amsterdam, London, Warschau, Manchester, Stockholm oder Prag) bis hin zu Ausstellungen in Übersee (z.B. in New York oder im Torrance Museum, USA).

Hinzu kamen in den letzten Jahren zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen und Ausstellungen in Deutschland in sehr renommierten Ausstellungsräumen: u.a. im Haus am Lützowplatz, im Kunstverein Neukölln, der Galerie der Künste sowie der Galerie Georg Nothelfer (alle Berlin) sowie in mehreren skandinavischen Museen (Norwegen, Finnland).

Ihre Arbeiten wurden zudem in diverse öffentlichen Sammlungen (z.B. in der finnischen National Galerie oder im Kunstmuseum Helsinki) aufgenommen und dort repräsentiert.

Der Bielefelder Kerber-Kunstbuchverlag widmete sich bereits 2013 sowie 2016 ihrem Werk mit zwei Publikationen.

Ihren Zyklus „Mädchen lass los“ hat Niina Lehtonen Braun im Jahr 2019 als erste Gastkünstlerin (im Programm Visiting Art/ist) im Finnland Institut in der Friedrichstraße in Berlin gezeigt, aus dem auch Bilder für die hiesige Ausstellung in Detmold gewonnen werden konnten.

Lehtonen Brauns Œuvre ist Genre-übergreifend, man kann ihre Bilder weder „nur“ als Collagen subsummieren noch ihre leuchtenden leichtfüssigen Bilder oder ihre oft seriellen Wand-Arrangements als „bloße“ Malerei bezeichnen. Ganz im Gegenteil vereint sie diese beiden eher traditionellen bildnerischen Vorgehensweisen (Malerei und Collage) miteinander, ergänzt sie teilweise mit aufsehenerregenden Performances und widersetzt sich so einer Einordnung in herkömmliche künstlerische Schubladen. Das macht ihr zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion changierendes Werk formal sehr frisch, sehr unverbraucht und manchmal im besten Sinne unbegreiflich, augenzwinkernd, rätsel- und märchenhaft. Stilistisch virtuos mischt sie den Betrachter:innen dabei eine inhaltliche Meta-Ebene unter, die sonst oftmals sehr schwer daherkommt: Verletzlichkeit und Weiblichkeit. Dadurch das sie die Sehgewohnheiten formal so gekonnt, so spielerisch unterminiert und konterkarriert, schleust sie fast schon kolportagenhaft sonst oft sehr schwermütige Bildinhalte quasi als trojanische Pferde in ihre Bilder und ihr gelingt das Kunststück sehr viel Ernsthaftes, sehr viel Kluges, sehr viel Bedenkenswertes sehr luftig und leicht zu verpacken.

Lehtonen Brauns Stilmix nimmt einerseits ihrer Themenwelt und dem Sujet ihrer Werke die Schwere, die Schwermut, bewahrt ihren Bildern aber gerade dadurch andererseits – und das ist oftmals das eigentlich Beachtliche in der zeitgenössischen Kunst, das Paradox – Tiefe und Würde.

 

Niina Lehtonen Braun – Finnische Kunst in neuer Galerie auf dem Land

Ausstellungsansichten