Herzliche Einladung zur Vernissage am 08. März von 14 – 17 Uhr. Linda Meli ist anwesend.
Geboren wurde Linda Meli, die das diesjährige Ausstellungsjahr der Galerie Mellies mit ihrer Show „dennoch“ eröffnet, 1991 in der Schweiz. Sie lebt und arbeitet an wechselnden Standorten und pendelt dabei von Hamburg über die Schweiz bis nach Italien.
Linda Meli besuchte von 2008 bis 2025 die Schule für Gestaltung in St. Gallen und Zürich, wo sie Grafik und Media Design studierte. Bis 2020 arbeitete sie als Grafik Designerin in einer Agentur in Zürich.
2022 absolvierte sie ein Erasmus Programm an der HAW Hamburg, aus dem sich künstlerisch viele neue Wege für sie entwickelten. Im Jahr darauf erhielt sie den Bachelor in Visual Communication an der Universität der Künste in Bern, entschied sich, inspiriert durch ihre künstlerischen Erfahrungen in Hamburg, jedoch fortan verstärkt der Malerei zu widmen.
Parallel dazu folgten diverse Kollaborationen als Freelancerin und Artwork Designerin mit Booking Agenturen für zeitgenössische Musik in der Schweiz, in denen sie vorwiegend für collagenartige Booklets, Poster und Fanzines verantwortlich zeichnete.
Dieser multidisziplinäre Ansatz zieht sich bisher durch ihr ganzes künstlerisches Schaffen. So stellt Linda Meli neben der Malerei auch noch Keramiken und Druckgrafiken her.
Der vielfältige Background von Linda Meli aus der angewandten Kunst, der Werbung, der Illustration und der Musik ist auch in ihrem malerischen Werk spürbar und bescherte ihr neben der Schweiz bereits internationale Malerei-Ausstellungen in den USA, in Dänemark, Österreich, Wales und Deutschland.
Für 2026 stehen nach der hiesigen Ausstellung in der Galerie Mellies für Linda Meli bereits vier weitere Ausstellungen in Deutschland, der Schweiz und Österreich auf dem Programm.
Die oft sehr flächig gehaltenen Bildern von Linda Meli erinnern in ihrer klaren Grafik und Komposition an Arbeiten der Australierin Christina Zimpel oder des New Yorker Malers Austin Eddy. In ihrer Verspieltheit weisen sie Bezüge auf zu der Japanerin Misaki Kawai, zu Margit Palmes klar und reduziert gezeichneten Frauenportraits, zur naiven Malerei von Josef Nowinka aus der ehemaligen DDR oder zu der ebenfalls aus der Illustration kommenden Dror Cohen aus London.
Die markanten Posen, die Hände, die Gestik und die eckigen Arme ihrer Modelle sind dem Werk der Amerikanerin Aubrey Levinthal sehr ähnlich. Die Klarheit im Bildaufbau im Unterschied zur Rätselhaftigkeit des Inhalts weist Bezüge auf zu den Bildern von Peggy Kuiper oder denen James Ulmers.
Die streifigen gemusterten Hintergründe und Stoffe lassen einen an die tapetenartigen Ornamente der Hintergründe in den Bildern von Tschabalala Self denken. Die satten Primär- und Sekundärfarben, ihr flächiger voller Sättigungsgrad und die Körperhaltungen ihrer Figuren, insbesondere in der Druckgrafik, erinnern an die in New York arbeitende Österreicherin Katherina Olschbaur.
Wie wichtig senkrechte Streifen, decken- und teppichartige Muster und z.B. auch Karos in Bildhintergründen für das Gesamtbild sein können und ihnen Struktur verleihen, sehen wir u.a. ganz ähnlich bei Christina Quarles aus Chicago.
Kunstgeschichtlich lässt sich die Malerei von Linda Meli wohl am ehesten in der Malerei des Expressionismus verorten. Zu nennen wären als Beispiel Ernst Ludwig Kirchners „Selbstportrait mit Modell“ (1910) oder „Artistin – Marcella“ (1910), in denen das berühmteste Kindermodell der Expressionisten, Lisa Franziska „Fränzi“ Fehrmann, gemalt worden ist.
Ähnlich wie in Munchs berühmten Gemälde „Pubertät“ (1894/1895) zeigen sich auch im deutschen Expressionismus deutliche Querverweise zum Werk von Linda Meli. Insbesondere in den fragilen und oft verdrehten Posen und den schüchternen Blicken der Figuren.
Die schablonenartigen Flächen und expressiven Farben ähneln Matisse.
Das psychedelisch Grafische der Arbeiten von Linda Meli wurde verglichen mit den neonartigen Underground-Postern der Spanier Victor Moscoso und Frank Kozik. Sie selbst ist fasziniert von den Jazz-Postern von Niklaus Troxler oder der naiven Malerei von Niko Pirosmani.
Auffällig bei Linda Meli sind die wie von der Commedia dell’Arte entlehnten überbetont mimischen Pierrot-Posen und die langgezogenen Arme und Hände, die an das 1888 entstandene Bild „Pierrot und Harlekin“ von Cézanne erinnern.
Linda Meli spielt in beeindruckender Leichtigkeit mit diesem oftmals bagatellisierten Framing des Fragilen und Zauberhaften. Klar gegliederte Figuren sind ihr Signature Dish, ihr Markenzeichen, mit dem sie alle Bezüge zu vergangenen Stilepochen virtuos, aber auch respektabel umwidmet und modifiziert.
Welche Assoziationen Linda Meli im Stande ist für uns auszugraben und in uns anzuregen, zeigt die Ausstellung „dennoch“ sehr anschaulich.
Oft fühlt man sich zurückversetzt in vergangene Zeiten abgewetzter vergilbter Taschenbücher, die man auf Flohmärkten und Antiquariaten aufgespürt hat. Die Buchcover der Nouvelle Vague kommen einem in den Sinn. Jules und Jim, Der Bastian, Bel Ami, Bonjour Tristesse oder die Zürcher Verlobung mit ihren berühmten Protagonistinnen Jean Seberg, Jeanne Moreau und Liselotte Pulver oder ihre deutschen Entsprechungen Karin Baal, Romy Schneider oder später Monika Lundi. Oder die noch berühmteren Sylvette-Portraits von Picasso.
Linda Melis Art der Hommage unterliegt jedoch nicht nur dem Gepräge der Nostalgie. Auch ihr Background aus der Gebrauchsgrafik ist ihren Bildern anzusehen, sie transportieren ohne Zweifel viel angewandte Grafik und auch viel Geschichte. Linda Meli legt aber genau diese Fesseln ab, spielt mit den grafischen Retro Vibes und legt alle Vintage-Elemente eher als Huldigung aus – nicht als Deko.
Werk und Autorinnenschaft bilden bei Linda Meli eine sprichwörtliche Einheit und prägen das noch junge Werk der Schweizer Malerin überaus substanziell. Bei ihren Bildern fragt man sich automatisch: malt man, wie man ist oder umgekehrt?
Linda Meli hat sich frei gemacht, in bezaubernder Weise buchstäblich freigemalt von zu vielen Details bei Gesichtszügen und Anatomie, von zu abgezirkelten Personifizierungen, von Schärfentiefe und Perspektive. Trotzdem bleibt bei ihr alles real und driftet nie ins Märchenhafte oder Surreale ab.
Bei Linda Meli wird aus dem Normalsten fesselnd und aus bezauberndster Kargheit und Schlichtheit spannend.
