28. September 2025 - 09. November 2025

Karlotta Susanna Pöschko

angesichts

Herzliche Einladung zu der Ausstellung „angesichts“. Die Vernissage ist am 28. September von 14-17 Uhr. Karlotta Susanna Pöschko ist anwesend. 

Die in Fürth geborene 24-jährige Karlotta Susanna Pöschko zeigt in der Galerie Mellies unter dem Titel „angesichts“ eine dem Realismus verpflichtete Malerei, deren Exzellenz für ihr junges Alter sehr beeindruckend ist.

Karlotta Susanna Pöschko studiert seit 2020 in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. In diesem Jahr widmete sie sich während eines Erasmus-Stipendiums am Konservatorium KASK im belgischen Gent ganz bewusst ein Semester lang der klassischen traditionellen Malerei der alten flämischen Meister wie beispielsweise Antonio van Dyck.

Schon als Studentin nahm sie seit 2021 u.a. in Leipzig, Nürnberg, Berlin und Düsseldorf bereits an mehreren deutschlandweiten Gruppen-Ausstellungen teil.

2024 hatte sie ihre erste Einzelausstellung im Goldstudio60 in Halle. In diesem Jahr folgte die erste internationale Beteiligung an einer Ausstellung im Gent.

Die Bilder, mit denen sich Karlotta Susanna Pöschko in ihrer ersten Einzelausstellung in Nordrhein-Westfalen vorstellt, sind ein Tribut an das kulturelle Erbe. Und damit zugleich auch außerhalb der Norm, zumindest für gängige moderne Malerei.

Bilderinnerungen werden wach, die z.B. im Einklang stehen mit den italienischen magischen Realisten der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. Mit Ubaldo Oppi, Antonio Donghi, Felice Casorati oder Cagnaccio di San Pietro, um nur einige zu nennen.

Ebenso gut könnten ihre Bilder von den Hochkarätern der Neuen Sachlichkeit inspiriert worden sein. Von Franz Radziwill, Christian Schad, Heinrich Maria Davringhausen oder den Portraits Felix Nussbaums.

Vor allem aber von der Deutsch-Schwedin Lotte Laserstein, die als wichtigste Wiederentdeckung der letzten Jahre nicht nur der Neuen Sachlichkeit gilt. In ihren Bildern formte sie den Begriff der sogenannten „Neuen Frau“ und malte wie Karlotta Susanna Pöschko überwiegend Frauenportraits in einem modernen Alltag und gilt darüber hinaus als Vertreterin des sogenannten Akademischen Realismus sowie weiblicher Gegenpart von Otto Dix als Vertreterin des Verismus.

Wilhelm Lachnits „Mädchen mit Pelz“ von 1925 könnte vom Sujet her Pate gestanden haben für Karlotta Susanna Pöschkos fast 100 Jahre später gemaltes Bild „I know it’s so quite fragile“ (2023) oder „Selbstbildnis im Pelzrock“ (2024). Beide Bilder könnten Variationen, ja fast Ebenbilder dieses Schlüsselwerks der Neuen Sachlichkeit sein.

Wie aktuell so eine realistische Malerei immer noch sein kann, zeigen in diesem Jahr u.a. gerade zwei fast zeitgleiche Ausstellungen in New Yorker Galerien (bei „Ortuzar“ und „Lévy Gorvy Dayan“), die Bilder der 2010 verstorbenen Malerin Sylvia Sleigh zeigen.

Besonders die Männerportraits von Sleigh zeigen in ihrer Intensität etliche Parallelen zum Werk Karlotta Susanna Pöschkos.

Auch in Deutschland finden Ausstellungen altmeisterlicher Portraitmalerei noch immer ihren Platz und haben weiterhin ihre Berechtigung. So widmete sich erst unlängst das Museum Gunzenhauser in Chemnitz 2023 („european realities“) und 2024 („sieh dir die Menschen an“) mit umfassenden Werkschauen dieser Art zu malen.

Karlotta Susanna Pöschkos Malerei stellt also mitnichten einen Anachronismus oder gar Abklatsch klassischer Portraitmalerei dar. Vielmehr ruft sie ein Genre wach, das viel zu lange in Vergessenheit geraten war. Damit ist sie in guter Gesellschaft, befassen sich doch gerade immer mehr zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler damit, diese Art Malerei auf unterschiedlichste Art und Weise wiederzubeleben.

Nathanaëlle Herbelin aus Israel vergangenes Jahr im Musée d’ Orsay, Paris. Die Britin Sarah Ball mit ihren bleichen porzellanartigen Gesichtern. Der Rumäne Victor Man oder Glenn Brown, der klassische Portraits in Arcimboldo-Manier verwuselt und ganz neu interpretiert.

In diesem Kontext als nur nostalgisch beurteilt zu werden, kann junge Malerinnen und Maler schnell ausbremsen, ja, manchmal sogar anhalten. Das Talent von Karlotta Susanna Pöschko zeigt sich darin, Realismus eben gerade nicht als Endgegner der Malerei zu begreifen, sondern als Chance. Wie sie die Kunstgeschichte en Passant mit einflicht, stilistisch immer einwandfrei, ja, makellos, macht ihre Bilder so beredt.

Die Beschäftigung sowohl mit früheren Epochen als auch mit dem eigenen Antlitz und ihrem unmittelbaren Umfeld sind die Kleber und Treiber ihrer Kunst. Sie entzaubert die Realität, indem sie sie mit einem verhaltenen Pathos sehr kühl ästhetisiert und als neuinterpretierte Reminiszenz gestochen scharf intensiviert und prägnat seziert.

Karlotta Susanna Pöschkos Ansatz ist  voller Querverweise. Und in ihrem jungen Alter geradezu full of promise. Es ist allerdings weit mehr als formvollendete Kunst über Kunst. Ihre Bilder sind mit viel Suspense ausgelegte bohème Botschaften. Mehr Sinnbilder als Gemälde.