30. November 2025 - 31. Januar 2026

Daniela Schönemann

WALDSAUM

Herzlich Willkommen zur Vernissage mit Daniela Schönemann  am 30. November 2025 von 14-17 Uhr!

Die 1981 in Halle an der Saale geborene Holzbildhauerin Daniela Schönemann zeigt mit ihrer Ausstellung unter dem Titel WALDSAUM ihre Exponate nach den Kunsttagen 2010 bereits das zweite Mal in Detmold. In der Galerie Mellies werden von ihr vorwiegend kleinformatige Arbeiten aus Holz zu sehen sein.

Vor ihrem Kunststudium an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle absolvierte sie eine handwerkliche Ausbildung für Bildhauerei in Bischofsheim in der Rhön. Bereits als Studentin wurde ihr 2009 der 1. Preis des Holzbildhauersymposiums in Ossana in Italien zugedacht. 2011 erhielt Daniela Schönemann ihr Kunst-Diplom. Seitdem  arbeitet sie als freischaffende Künstlerin und kann auf eine beeindruckende Vita und Reputation im Bereich der Holzbildhauerei, nicht nur im deutschsprachigen Raum, zurückblicken. Erst im vergangenen Jahr erhielt sie vom Staatsminister für Kultur den Preis der Kunststiftung Sachsen-Anhalt für eine herausragende künstlerische Position zuerkannt.

Daniela Schönemanns handwerkliche Klasse ist unstrittig und steht am Ende eines Kontinuums von deutschsprachigen Künstlern, die beeindruckende Figuren aus Holz erschaffen haben, und in deren langer Tradition ihre Arbeiten sicherlich am ehesten zu verorten sind.

Bekanntlich entwickelten sich die Holzskulpturen des Expressionismus aus den massiven Druckstöcken der Holzschnitte. Berühmt für ihre Holzskulpturen waren in erster Linie Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel aber auch Hermann Scherer aus der Schweiz, an die die Figuren von Daniela Schönemann am stärksten erinnern.

Stilbildend für die deutsche Moderne im Bereich Holz sind darüber hinaus der Hamburger Bildhauer Stephan Balkenhol oder auch Georg Baselitz zu nennen. Ähnlich wie beide bearbeitet auch Daniela Schönemann ihre Hölzer zunächst sehr grob mit der Kettensäge, um das aufgespaltene Holz dann später weiter zu schnitzen.

Der Ruf der deutschen Schnitzkunst, z.B. aus Oberammergau oder Berchtesgaden, ragt bis in die Moderne. Zeitgenössische Künstlerinnen wie Hannah Schmider oder Laura Eckert, Holzbildhauer wie Martin Kammer, wie Olaf Breuning, Jan Tomas oder Mario Dilitz bewahren dieses Vermächtnis und schreiben es genauso kompetent und originell fort, wie es Daniela Schönemann in ihrem Werk tut.

Aber auch den Künstlern aus dem asiatischen Raum, in dem traditionell sehr viel mit Holz gearbeitet wird – man denke nur an die japanischen Kokeshi-Puppen – scheinen die Figuren von Daniela Schönemann verpflichtet.

Man erkennt Übereinstimmungen zu den Arbeiten von Hirosue Yabe, zu Shin Min oder zu der struppigen humpelnden Bigfoot/Yeti-Figur aus Polyurethan-Kunstsoff, die durch das Werk von Miju Lee spaziert.

Oft sind die Szenen ihrer Figuren-Ensembles insbesondere im Relief geradezu malerisch und erinnern dann stark an die grellbunten verhuschten Figuren und Kompositionen auf den Bildern von Katherine Bernhardt oder Joyce Pensato. Oder an die KaiKai Kiki-Figuren auf den Bildern von Takashi Murakami.

Ein Alleinstellungsmerkmal in dieser sehr traditionell-geprägten Kunstwelt aus Holz zu finden, sich darin autonom zu bewegen und zu behaupten, ist sicherlich nicht leicht – wiegen die Klassiker doch sehr schwer.

Daniela Schönemann hat jedoch ein Werk erschaffen, das sich durchaus gegenüber allen vorher Genannten sehen lassen kann und sich von allen deutschsprachigen und internationalen Strömungen auf eine sehr eigene Art emanzipiert hat.

Ihre Skulpturen erweisen sich in einer Form als modern, die sehr ungewöhnlich ist.

Denn betrachtet man sie mit der Brille der zeitgenössischen Kunst und deren Relevanz, sieht man, dass sie das Narrative, Szenische über Naturthemen mit modernen Materialien wie Epoxidharz, Beize, PU-Schaum, Acrystal und krisseligen drahtigen Kunsthaaren und weichem ins Holz gespicktem Kunstpelz oder eingelassenen Fellimitaten verbindet und so die determiniert-scheinende Lesart des Materials Holz auflöst und sie in eine mehr heutige Sicht übersetzt und erweitert, ja, völlig neu erschließt.

An jeder Figur ist etwas, das sie belebt, das sie neu definiert, das sich in ihr, im Holz, neu materialisiert.

Die US-Künstlerin Mika Rottenberg nennt es für ihr Werk „trapped energy“.

Um genau diese eingeschlossene und eingefangene Energie im Holz der kleinen Figuren geht es wohl am ehesten in dieser Ausstellung.  Darum sie zu erspüren und zu entdecken.

Ausstellungsansichten