Anna Richert

Wie der Mittelpunkt in einem Kreis sind bei Anna Richert ihre Person und ihre Bilder wie auch ihre Motive und die ihr eigene Malweise untrennbar und zusammengehörig. Gleichzeitig scheinen sie auseinander zu liegen.

Wie sich Kreislinie und Punkt gegenseitig bedingen, sich aber auch lichten, was wem ein Gesicht gibt, einen Kern, was unerreichbar, unerklärbar bleiben soll, ist in der Malerei von Anna Richert schwerlich aufzudecken. Und das ist auch gut so. Denn erst so wird das Eigentliche, das Malen selbst festgehalten, angehalten, es steht still, kann Raum greifen. Verborgene Gedanken können an die Oberfläche kommen.

„Oberflächen sind Behältnisse der Seelen“, sagt die belgische Künstlerin Berlinde De Bruyckere. Und genau so sind Anna Richerts Bilder. Behältnisse ihrer Seele, Mysterien ihrer selbst. Verspielt, still, tastend. Gleichsam drängend und energetisch. Aus klar und figürlich wird unerforschlich und widerspenstig. In ihren Bildern wie in ihr als queere und feministische Malerin selbst.

Rilke schrieb über Rodin „er habe den Menschen die Maske der Gesichter abgenommen“. Die oft in hundert Pinselstriche zerfallenen Gesichter von Anna Richert gipfeln in regelrechte Malfragmente, deren Eigenleben einem oft mehr zu Leibe rückt als konkrete lebendiger dargestellte Figuren. Anna Richerts gemalte Figuren und Gesichter haben sich ihrer selbst als Künstlerin anverwandelt. Es ist der Kern im Kern dieser Gesichter und Figuren, der sie, wie Rodin, zu interessieren scheint.

In jedem von uns, in allen Bildern von uns, generell in allen Bildern, stecken Dinge, die wir nicht immer sofort eindeutig benennen oder greifen, begreifen, können. Anna Richerts Bilder zeigen uns in einer unverblümten und jungen Noblesse, dass wir dies ruhig aushalten und auch zeigen können, ja, sollten.

Bei allem ist Anna Richert genau das, was Louise Bourgeois noch als fast hundertjährige Künstlerin über sich geschrieben hat: „Ich bin immer noch ein Mädchen, das versucht, sich selbst zu verstehen.“

Anna Richert lebt und arbeitet in Berlin.

Sie studierte von 2011 bis 2018 an der UdK in Berlin Bildende Kunst

2015 war sie Erasmus-Austauschstudentin am Surikow Kunstinstitut, Moskau

2018 absolvierte sie ihren Bachelor of Arts an der UdK Berlin

2018 erhielt sie das Stipendium für Malerei der Dorothea Konwiarz Stiftung, Berlin

2019 folgte ihr Master of Arts an der UdK Berlin

 

Anna Richert ist seit 2016 Teil der „Nautilus Berlin“, eine selbstorganisierte Künstler*innen-Gruppe, die in der Berliner Subkultur und Clubszene ausstellt.

Ihre Bilder wurden bisher u.a. in den Ausstellungen:

„Anonyme Zeichner“, im Pavillon Milchov in Berlin (2014)

in der Galerie der Dorothea Konwiarz Stiftung in Berlin (2018)

in der Ausstellung „Animation of Dead Material“ im Künstlerhaus Bethanien in Berlin (2020)

sowie im vergangenen Jahr in der „Langen Nacht der Bilder“, in Berlin Lichtenberg präsentiert.